Johann Georg FAUST meets Christoph Wirsung

Zwei Heiler mit unterschiedlichen Praktiken

Faust, der Autodidakt, der mit finsteren Kräfte der Unterwelt gemeinsame Sache machen wollte, hat seine Pülverchen und Phiolen auf Märkten angepriesen – Wirsung, der Apotheker, hat mit seinem pharmazeutischem Wissen ein deutschsprachiges Arzneibuch verfasst und damit Geschichte geschrieben.

Johann Georg Faust, geboren 1480 in Knittlingen, gestorben 1541 in Breisach, war ein wandernder Wunderheiler, Alchemist, Magier, Astrologe und Wahrsager. Die subjektive Beurteilung durch Abt Trithemius, der selbst Magier und für den Faust ein ernst zu nehmender Konkurrent war, prägte in der Folgezeit die Meinung des Volkes zur Person Faust. Das ist auch das Bild des Doktor Faust wie es heute größtenteils noch in der Bevölkerung vorherrscht zu Unrecht. Aus einigen historischen Dokumenten geht hervor, dass mächtige Leute wie Franz von Sickingen und der Bischof von Bamberg seine Auftraggeber waren, letztere ließ sich 1520 von Faust ein Horoskop erstellen. Kam Faust in eine Stadt ließ er keine Gelegenheit aus, seine Heilkunst „an den Mann zu bringen“. Man geht davon aus, dass Faust Heilmittel herstellte und verkaufte. In seinem Geburtshaus in Knittlingen wurden ein Giftschrank und ein kleines Dokument mit geheimnisvoller Formel entdeckt. Heute kennt man noch ein Lebenselixier unter dem Namen Theriak. URFAUSTKnittlingen hat ein solches Getränk in seinem Sortiment.

Er war auch der seriöse Wissenschaftler, der sich mit der Astrologie, Astronomie und Alchemie beschäftigte. Er lebte in der Zeit der Reformation, der Inquisition und in der Zeit des Übergangs vom Spätmittelalter in die Neuzeit, in einer wichtigen Umbruchphase. Einerseits waren die Menschen noch in der mittelalterlichen Lebensweise verhaftet, andererseits ist dies die Zeit der Renaissance, die Zeit der Wissenschaften und der Entdeckungen. Der geheimnisvolle Faust, der Alchemist, der im Verborgenen Experimente vornahm, konnte, so die Meinung der Zeitgenossen, nur mit dem Teufel im Bunde stehen.

Bereits zu seinen Lebzeiten setzte die Legendenbildung ein, umso mehr nach seinem mysteriösen Tod in Staufen im Breisgau um 1540: er wurde vom Teufel geholt – wahrscheinlich ist er bei einem alchemistischen Experiment in die Luft geflogen. Die Legendenbildung ließ nicht lange auf sich warten, und der historische Faust hielt Einzug in die Welt der Dichtung. Das bekannteste Beispiel: Johann Wolfgang von Goethes „Faust. Eine Tragödie“ aus dem Jahre 1808.

Christoph Wirsung wurde im Jahr 1500 in Augsburg geboren als Sohn des reichen Kaufmanns Max Wirsung und der aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie stammende Agathe Sulzer. Ihm wurde eine humanistische Bildung zuteil; zur Erziehung und Ausbildung schickte man ihn, etwa 14-jährig, nach Italien. In Venedig erwarb er gründliche Sprachkenntnisse, die ihm bei seiner späteren Übersetzungstätigkeit zugutekamen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt im Ausland kehrte er um 1520 nach Deutschland zurück und übernahm nach dem Tod des Vaters 1521, gemeinsam mit der Mutter, die väterliche Apotheke in Augsburg, die er ab 1530 alleine führte. Neben seiner Tätigkeit als Apotheker war Wirsung als Ratsherr an den Geschicken Augsburgs beteiligt. Um 1562, siedelte er nach Heidelberg über. Dort starb er am 25. Januar 1571, drei Jahre nach Erscheinen seines „Artzney Buchs“.

In Heidelberg angekommen, begann Wirsung seine umfangreiche Rezeptsammlung (ca. 15.000 Rezepte) zu ordnen. Wirsung wollte mit seiner gedruckten Rezeptsammlung Stadt- und Landbevölkerung befähigen, Krankheiten richtig zu erkennen und einzuschätzen, und sie anleiten, die passenden Arzneien zur Heilung zu verwenden. Sein Buch sollte speziell dem medizinischen Laien nutzen. Er wollte, wie er nachdrücklich schreibt, nicht nur über kostspielige Arzneien informieren, sondern auch Mittel für den schmaleren Geldbeutel bieten.

Wirsung gliederte sein „Artzney Buch“ nach der klassischen „a capite ad calcem“-Ordnung (vom Kopf zu den Füßen) in vier Teile, in denen Kopf, Brust, Bauch und die in ihnen liegenden Organe sowie die Gliedmaßen und ihre Krankheiten behandelt werden. Angefügt sind noch vier weitere Teile, in denen Hautkrankheiten, Fieber als eigenständige Krankheit, die Pest und Vergiftungen beschrieben werden; angehängt ist ein achter Teil, in dem Lebkuchen, Gewürzweine, Öle, Lebens- und Goldwässer mit ausführlichen Herstellungsanleitungen beschrieben werden. Die den einzelnen Krankheiten gewidmeten Abschnitte, in denen Ursache und Behandlung der Beschwerden erläutert werden, folgen immer dem gleichen schematischen Aufbau:

  • Jeder Abschnitt beginnt mit einem theoretischen Teil, in dem Wirsung zunächst Anatomie und humoralpathologische Konstitution (Komplexion) des gesunden und kranken Organs erläutert und Ätiologie und Symptome der Krankheit erklärt. Bemerkenswert ist, dass Wirsung in diesem theoretischen Teil seinen Leser gelegentlich sogar über unterschiedliche Lehrmeinungen medizinischer Kapazitäten informierte.
  • Diesem ersten theoretischen Teil folgt der zweite therapeutisch-praktische Teil. Dieser beginnt immer mit Vorschlägen für evakuierende Maßnahmen, das heißt, es werden Purgationen (Reinigungen) in unterschiedlichen Variationen und Stärken empfohlen, wobei erweichende oder abführende Maßnahmen überwiegen, oft ergänzt durch einen Aderlass. Dann wird die eigentliche Behandlung der Krankheit beschrieben mit einer großen Auswahl an Arzneimitteln in unterschiedlichen Darreichungsformen.
  • Den Abschluss bilden dann die sogenannten „Regimente“, das heißt, der Kranke bekommt detaillierte Anweisungen seine ganze Lebensführung betreffend. Sie umfassen diätetische Empfehlungen für Essen und Trinken sowie Verhaltensregeln für seinen Tagesablauf, Schlafen und Wachen, Bewegung und Ruhe, Geschlechtsverkehr, Kleidung und die Wohnungsausstattung. Die Spanne der Arzneimittel reicht von sehr einfachen, praktisch kostenlosen Hausmitteln wie der Empfehlung, einen jungen Hund auf den nackten Bauch zu legen, um einen „kalten Magen“ zu kurieren, bis zum Goldenen Ei, einem weit verbreiteten Rezept, das vor Pest schützen und sie auch heilen sollte, bei dem ein ausgeblasenes Ei, das nur noch den Dotter enthielt, vor der aufwändigen Weiterverarbeitung mit Safran ausgestopft werden sollte.

Ch.Wirsung Knittlingen stellt in Anlehnung an das “Heidelberger Artzney Buch” von Christoph Wirsung verschiedene Produkte, wie Kräuter, Teemischungen und Gewürze her, die, wie auch das Buch, im Online-Shop erhältlich sind.

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